Hilfe, die Dotwins kommen ...

Seit geraumer Zeit sind die Dotwins in aller Munde. In Deutschland ist sogar ein wahres Dotwin-Fieber ausgebrochen. Nur fragen sich die wenigstens, wer oder was verbirgt sich hinter dem Dotwin? Aus einer seltsamen Koalition  von Pro 7, McDonald´s, Shell-Tankstellen, der Deutschen Bank und T-D1 wird diese neue Marketingmasche propagiert. Das Prinzip ist ganz einfach, als erstes besorgt man sich einen der kleinen Freunde bei einem der genannten Firmen, klebt ihn während eine bestimmt Sendung läuft auf den Fernseher, aktiviert ihn somit und kann gewinnen. Das DOTWIN-System ist international als Patent eingetragen und wird exklusiv von tv miles International B.V. Amsterdam, NL, hergestellt und lizensiert.

Im Internet kursieren jetzt Gerüchte, die Dotwins seien mit einem Spionagechip, dem CC128-A4 ausgestattet, welcher von der Siemens Tochterfirma Infineon entwickelt wurde. Er soll unter anderem das Modell des Fernsehgerätes sowie die Stimmen aus dem Raum aufzeichnen. Das ist natürlich alles Unsinn. Inzwischen hat es der Dotwin schon in die Haox Liste der TU Berlin geschafft, die immer ein guter Anlaufpunkt in solchen Sachen ist. Selbst die Beschreibung des Herstellers klingt recht abenteuerlich. Es soll unter anderem der Sender, Sendetag und Sendezeit festgestellt werden können.

Daß alle Daten der Teilnehmer die GEZ bekommen soll, will ich nicht ausschließen, wäre aber ein recht fragwürdiges Tun von Pro 7, der ein Privatsender ist und somit nichts von den Einnahmen abbekommt.

Ein wenig Paranoia schadet bekanntlich keinem, doch was sind die wahren Gründe für die Dotwn Aktion? Auf jedenfall ist es ein gewaltiger Werbegag. Zum einem kann man sich vorstellen, daß viele Firmen interessiert sind wer ihre Produkte kauft. Supermärkte bieten bares Geld, wenn der Kunde seine informationelle Selbstbestimmung aufgibt und alles auf seine Paybackkarte speicher läßt. Und mit den Dotwins werden natürlich auch Daten gesammelt. Zwar beteuern die Beteiligten daß die Daten ausschließlich zum Zweck der Gewinnziehung verwandt werden und nicht an dritte weitergeben werden, aber sind sie an der Aktion beteiligten Firmen schon "Dritte" oder doch nur "Partner"? Weil als Partner könnnen die Adressen einfach an sie weiter gegeben werden. Ein auch hier empfehlenswerter Trick ist es, wenn man bei der Teilnahme an solchen Spielereinen seine Adresse leicht verändert. Ein falscher Buchstabe im Namen oder der Straße lassen die Post meist trotzdem noch ankommen, können aber den Verursacher schnell identifizieren, wenn Werbung an diese Adresse kommt.

Aus reinem Wissenschaftsdrang haben ich mir den Dotwin dann doch noch mal etwas genauer angeschaut und untersucht. Ist schon sehr erstaunlich was so eine Pappscheibe alles rausfinden soll. Auf der Rückseite des Dotwins befindet sich eine Schutzfolie, wenn man sie abzieht entdeckt man 13 Löcher, die Rückseite ist selbstklebend (für den Fernseher). Das sieht dann so aus!

  

Da man durch die Löcher nicht erkennen kann, habe ich mit etwas Gewalt den Dotwin in all seine Einzelteile zerlegt. Resultat, er besteht überwiegend aus Pappe. Der "Deckel" (die Rückseite des Motivaufdruckes) besteht nun noch aus 3 Lagen (eine Lage Pappe, eine Folie mit lichtempfindlichen Stellen und das Papier mit dem Bildaufdruck). Die Rückseite des Bildaufdruckes ist schwarz bedruckt damit die Folie nicht von aussen belichtet wird. Die Spots sind dunkle orange Bereiche auf der Filmschicht die sich gelb verfärben wenn sie belichtet werden. Was dahr kommt das die runden Punkte durch die Löcher länger belichtet werden, Wenn man die Anordnung der Löcher vergleicht, fällt auf, daß alle Löcher rot "bestrahlt" werden, bis auf die zwei waagerechten linken. Dort liegen nämlich die Augen des Dotwins, die weiß leuchten. Es ist nur zu bezweifeln ob diese beiden Löcher nun stärker oder schwächer belichtet werden als die anderen, da sich die weiße Farbe beim Fernsehgerät aus blau, grün und rot zusammensetzt. Die Papiertasche, in die der Dotwin nach der Benutzung gesteckt wird, ist innen ebenfalls schwarz bedruckt, um ebenfalls Lichteinfall zu verhindern.

Fazit: In dem Dotwins steckt kein Prozessor, Speicher, AD-Wandler oder ähnliches. Er besteht nur aus Pappe, Pappe, Pappe und einer Folie mit lichtempfindlichen Bereichen. Speichern tut der Dotwin jedeglich ob eine Pro 7 Sendung geschaut wurde (aber nicht welche)und die Adressdaten (für das Gewinnspiel). Möglicherweise noch die Größe des Fernsehers. Ebenfalls wird wohl angenommen das der Kunde Kabelanschluß oder Satelliten Empfang hat, weil wie sollte er sonst Pro 7 schauen. Man kann also beruhigt seinen kleinen Freund aktivieren, wenn einen die Sache mit dem Datenschutz nicht weiter stört. Ich persönlich halte nicht viel von den Dotwins.

Schöne neue Welt

Christof "DocX" Grigutsch  <docx@doc-x.de>

Chaos Computer Club Düsseldorf